re:publica:14 – von Drachenvätern und Stein-Strategien

– 09. Mai 2014 –

 

 

 

 

 

 

 

 

Meine dritte re:publica liegt hinter mir.  Und was soll ich sagen – ich bin immer noch im Flauschflash – wie jedes Mal:). Zugegeben: Inhaltlich habe ich diesmal nicht so viel mitgenommen wie die Jahre zuvor.  Da gab es wesentlich mehr „nutzwertigen“ Content für mich. 2013 habe ich zum Beispiel extrem viel Spannendes über YouTube erfahren. Aber es gibt immer wieder einige Highlights, die kleine und größere Augenöffner sind, die mich zum Nach- und Weiterdenken inspirieren. Und mehr würde ich von 30-60-minütigen Sessions auch nicht erwarten.

Zum Beispiel „Don't believe the Hype“: Die Stein-Strategie

Mein kleines Highlight der re:publica 2014 war Holm Friebes Vortrag „Stein-Strategie – Von der Kunst, nicht zu handeln“, in den ich (mal wieder) eher zufällig stolperte.

Ich habe bei Holm Friebe das Wort Gegenwartseitelkeit gelernt. Tolles Wort! Eine feinsinnige Erweiterung meines Wortschatzes. (Das würde Wibke Ladwig freuen, die in ihrem Vortrag zurecht sagte, dass der Wortschatz wie die Liebe ist. Er vermehrt sich, wenn man ihn teilt. Poetisiert euch!, ruft sie uns entgegen. Ist das nicht ein wunderschönster Aufruf?)

Aber zurück zur Gegenwartseitelkeit: Gemeint ist damit, dass jede Generation denkt, dass sie natürlich in der Zeit lebt, die die größten Veränderungen bringt, die wichtigsten gesellschaftlichen Umwälzungen, die bahnbrechendsten Erfindungen – und überhaupt. Das denken nicht nur wir – das haben die Leute vor 130 Jahren auch schon gedacht – und die hatten wahrscheinlich mehr Grund zu dieser Annahme als wir.

Im Prinzip rantete Holm Friebe höchst intelligent und unterhaltsam gegen diese Gegenwartseitelkeit und gegen den in unserer Generation so gehypten Aktionismus: "action bias" das Grundübel unserer Zeit.

Sehr sympathisch. Sehr bedenkenswert.  Ich merk mir das!

"Wenn du dich bewegst, musst du wissen, wohin.
Wenn du dich nicht bewegst, musst du wissen, warum."

Und noch ein Zitat, das ich mir aufs T-Shirt drucken könnte:

"Der frühe Vogel fängt den Wurm. Aber die zweite Maus bekommt den Käse."

Und das Parkinson’sche Gesetz kann ich 1:1 aus meiner eigenen immer wieder höchst prokrastinierenden Arbeitsweise bestätigen. (Auch wenn es sich auf Bürokratien bezieht):

“Jede Arbeit dehnt sich so lange aus, bis sie die dafür vorgesehene Zeit vollständig ausfüllt.”

Nicht nur mein Fazit: Wer schlau und faul ist, kommt am weitesten:).

Drachenväter

Als alte Rollenspielerin war ich auch ganz entzückt über diese Session:

Drachenväter: Wie Offline-Rollenspiele die virtuelle Realität formten.

Tom Hillenbrand und Konrad Lischka haben vier Jahre lang die Kulturgeschichte des Rollenspiels für ihr Buch erforscht. Und allein damit Pionierarbeit geleistet. Denn bisher hat das im deutschsprachigen Raum noch niemand getan. Wieso eigentlich? Zu nerdig? Dabei sind Rollenspiele bis heute sehr verbreitet, das Spielen hat Generationen geprägt – und wie sich im Vortrag zeigte auch unsere Onlinewelt ganz entscheidend beeinflusst. So stammen die Mechanismen (z.B. Belohnungssysteme, das Erklimmen neuer Level) in vielen Apps aus Dungeons & Dragons (D&D) und anderen Rollenspielen.

Der Vortrag hat richtig Spaß gemacht – und ich habe viel gelernt. Jetzt will ich das Buch! Ach, eine Facebook-Seite haben sie auch: https://www.facebook.com/drachenvaeter

Und sonst so?

Natürlich war Wibkes Ladwigs Vortrag wieder ganz entzückend. Sie flanierte mit uns durch die „digitalen Refugien der Sprachliebhaber und Wortspielkinder“ – und das wie immer höchst unterhaltsam und lehrreich.  Hier die hörens- und sehenswerte Aufzeichnung:)):


Leider waren auch maue Sessions dabei. Vier Wissenschaftlerinnen erzählten langatmig wenig Neues über Leute, die das Netz nicht nutzen. Oder der Mann, der intelligente Science Fiction und Mobilität der Zukunft verbinden wollte, aber über wenig erhellende Allgemeinplätze nicht hinauskam. Überhaupt ist mein Eindruck, dass einige Speaker richtig toll bloggen können, aber eher schlecht reden. Meinjanur.

Achja. Ehe ich es vergesse. Die erste Nach-Snowden-re:publica war natürlich so politisch und wütend wie schon lange nicht. Sascha Lobo habe ich nur als Aufzeichnung gesehen, dafür war ich bei Felix Schwenzel und "Wie ich lernte, die Überwachung zu lieben". Tja. Ich bleibe immer noch etwas ratlos zurück bei dem Thema. So geht es wohl vielen. Man weiß nicht so recht, wohin mit der Empörung. Hm.

Und das Klassentreffen?

Fand wie immer statt. Gut so. Denn das schönste sind für mich sowieso immer die Begegnungen und Gespräche mit Menschen aus dem Netz. Manche kenne ich schon gefühlte Ewigkeiten, lese ihre Blogs, verfolge interessante Projekte und persönliche und berufliche Entwicklungen. Und dann begegnet man sich endlich „in echt“.  Hach! Manche lerne ich erst auf der re:publica kenne, weil sie jemand kennen, den ich auch kenne. Und dann quatscht man bei einer Fritz Cola und es ist schnell ganz vertraut.  Das ist schon ein besonderes Feeling.  Fast wie Kirchentag;).  (hehe)

Mehr Berichte zur re:publica findet ihr hier (weitere Links folgen):

Britta sammelte Momente auf der re:publica und schrieb ganz wunderbar über ihre Zeit dort. Lesen!

Ich auf der re:publica. Erster Teil der Zusammenfassung

re:publica 14 – zweiter Teil bis zum Ende

 

 

 

 

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